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Zuhören – wer zuhört nimmt wahr

Ich erlebe in meinen D&s Workshops immer wieder, wie wenig die dominanten Ladys eigentlich wirklich von den zutiefst ersehnten sexuellen Bedürfnissen ihrer submissiven Partner in Bezug auf BDSM wissen. Natürlich gilt das auch umgekehrt.

Es wird vieles als passend angenommen, es wird kaum hinterfragt, es wird nicht ernsthaft nachgebohrt. Ein offenes und ehrliches Debriefing nach einer Session ist kaum ein Thema. Session gelungen- alles paletti. Session misslungen- lieber schweigen statt in eine Diskussion oder gar in einen Streit zu verfallen.

Aber wie soll ich als dominante Frau meinen Untergebenen sicher, liebevoll und voller Verantwortung an seine ersehnten Grenzen führen, wenn ich ihn nicht bis ins letzte Detail erkunde und kenne? Wie soll sich der submissive Mann seiner Herrin in Hingabe verlieren, wenn er ihre Wünsche und Phantasien nicht kennt und ihr daher nicht in ihrem Tun vertrauen kann?

Auch wenn es nicht immer möglich ist sich auf Augenhöhe auszutauschen, so sollte ein wichtiges Augenmerk auf das Zuhören und Beobachten des aktiven bzw. passiven Gegenübers großer Wert gelegt werden

Anbei ein paar Gedanken aus dem Buch „Die Kunst des Zuhörens“ von C. H. Beck

Worin besteht eigentlich das Zuhören?

Zuhören ist ein bewusster und freiwilliger Akt, um zu verstehen, was uns unser Gesprächspartner mitteilen möchte. Voraussetzung für das Zuhören ist eine innere Bereitschaft, ohne sie ist das Zuhören unmöglich.

Die Kunst des Zuhörens kann als Passivität erscheinen, aber in Wirklichkeit muss sie geübt werden, erfordert sie Anstrengung und Ausdauer. Die allgemeine Zerstreutheit und unsere Tendenz, uns abzuschotten, machen es uns keineswegs leicht, in dieser Kunst Erfolge zu erzielen.

Das Zuhören ist eine der wenigen freien Handlungen, die ein Mensch ausüben kann. Wir wissen selbst nur zu gut, wem wir zuhören und wem nicht. Wir können natürlich so tun, als würden wir zuhören, oder was noch schlimmer ist, den anderen in dem Glauben zu wiegen, dass wir ihm tatsächlich zuhören, obwohl wir nichts von dem mitbekommen, was er sagt.

Zuhören bedeutet Aufnahmebereitschaft und Verständnis für die Worte des anderen, ohne sie zu verzerren oder zu manipulieren.

Zuhören bildet Urteilsvermögen, setzt es aber auch voraus. Es erfordert Konzentration und Willen, die Mitteilung des anderen zu entschlüsseln, zu verstehen, was er sagt, und vor allem, warum und wie er es sagt.

Es geht darum zu erfassen, was die ganze Botschaft ist. Ein/e gute/r Zuhörer/In gibt sich nicht mit den Worten des anderen zufrieden. Er/sie nimmt auch auf, was nicht gesagt wird, was ausgelassen wird, was sich hinter den Worten verbirgt.

Zuhören erfordert Wechselseitigkeit. Wenn der andere spricht, öffnet er sich uns, er vertraut uns. Nur wenn wir es ihm gleichtun, kann Zuhören gelingen. Wir müssen Vertrauen ausstrahlen, dem anderen signalisieren, wir sind bereit zur Aufmerksamkeit.

Zuhören bedeutet Zuwendung zum Gegenüber -  zu dessen Worten, zu Gesten und Gesichtsausdruck. Es ist ein Akt der Hingabe!