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Switchen – Freud oder Leid aus der Sicht der sexuell interessierten Frau

Switchen ist ein Thema, welches in jeder BDSM Beziehung einmal zur Sprache kommt und man sollte als SM Paar offen und ehrlich die jeweiligen Wünsche und Phantasien miteinander besprechen. Meine Erfahrung aus Gesprächen mit Gleichgesinnten zeigt mir, dass es ohne genaue Absprachen und Festlegen der Rollen vor einer Session oder vor einem Public Play Event eher schwierig ist, ein für beide Seiten erfüllendes Spiel zu gestalten. Wird die Spielkonstellation nicht genau definiert entsteht Unsicherheit. Ich persönlich komme in so eine Situation naturgemäß nicht, da ich nicht switche.

 

Ich bin ein Mensch, der sich mit all seiner Kraft und Energie auf seine Fähigkeiten und Stärken konzentriert und (leider?) nicht auf mehreren Hochzeiten zugleich tanzen kann. Ich switche nicht, da ich mich nicht abwechselnd als Sub bzw. als Domina auf dem Parkett von SM bewegen kann und will. Für mich ist dieser Wechsel von devot zu dominant und umgekehrt nicht Fisch und nicht Fleisch und nach meiner Erfahrung meist ein Wunsch der Männer, da diese eigentlich immer aus dem Vollen schöpfen wollen. Wobei ich aber auch dahingehend unterscheide, ob sich das Paar im rein schmerzgeilen, sadistischen Segment bewegt oder eher im submissiven, dienenden Spiel verliert. Eine Session, deren Schwerpunkt nicht nur im Lustschmerz sondern auch in einem Drehbuch der Verehrung, Unterwürfigkeit und dienender Hingabe verhaftet ist, verlangt von der dominanten Frau etwas mehr als nur das Praktizieren von Schmerztechniken.

Masochistisch veranlagte Männer tun sich im Bezug auf den Rollenwechsel aus dem Stehgreif nicht so schwer, da sie meist die dominante Rolle im Alltagsverhalten ohne Probleme bedienen und die Subrolle ihnen pures Vergnügen bereitet. Ein sogenannter Joker, oder? Doch wie sieht es da bei den Damen aus? Eine Frau, welche sich voll und ganz auf die dominante Rolle einlässt, muss machtgeile Verhaltensweisen meist erst erlernen. Wobei es hier nicht um das Kopieren männlichen Machtgehabes geht, sondern das sich Finden in einem ganz persönlichen, authentischen Universums der Dominanz. Dies zeigt mir zumindest das große Interesse an meiner Workshoparbeit in meiner Domina Akademie. Doch warum gibt es so wenige „naturdominante“ Damen? Weil wir Frauen von klein auf in ein klerikal/patriarchalischen Dominanzsystem eingebunden sind und Dominanz nicht lernen. Das ist unweiblich und nicht erwünscht.  Frauen werden auf Harmonie, Diplomatie und Rücksichtnahme konditioniert. Das funktioniert zwar ganz gut, aber Frauen suchen sich eben dann meist die Ventile in Zickentum, Stutenbissigkeit, Krankheiten oder dem Verteilen von Schuldgefühlen. Anstatt dass uns beigebracht wird auf unsere archetypisch weiblichen Stärken zu vertrauen, werden Frauen für das Gesellschaftssystem zurechtgebogen. Ich verurteile hier keinesfalls die Männer der jetzigen Generation, doch die Ablösung des Matriarchats durch ein patriarchales System hat den Frauen über mehr als zwei Jahrtausende viel Leid eingebracht und im Endeffekt leiden die Männer genauso an dieser Entwicklung.

Verzeiht meinen Ausflug in die Geschichte, aber um die Unsicherheit von Frauen in Bezug auf das Ausleben von sexueller Dominanz zu verstehen, muss man sich auch ein bisschen mit den Hintergründen beschäftigen. Mir es aber wichtig darauf hinzuweisen, dass Ausnahmen immer die Regel bestätigen und es viele engagierte, tolle Frauen gibt, welche mit dem Ausleben sexueller Dominanz im Wechsel mit berührender Hingabe zu ihrem Dom in einer Beziehung kein Problem haben. In diesem Fall besteht bei den Frauen auch kein Leidensdruck oder Unsicherheit im Spiel – Toll, wenn es funktioniert! Wenn dieses Modell aber nicht funktioniert, empfehle ich den Frauen sich auf jene Rolle, welche mehr Spaß macht zu konzentrieren und sich voll und ganz darauf einzulassen - ohne Wenn und Aber. Denn Männer sind im Gegensatz zu Frauen meist auch alltagsdominant, zusätzlich zu ihrem Auftreten als Dom in der Sexualität. Um ein solches Exemplar in die Schranken zu weisen braucht es von der Frau mehr, als ab und zu einen kleinen Ausflug in das Fach der „strengen Herrin“ zu wagen. So ein Mann wird eine Frau kaum als beherrschende Domina akzeptieren, wenn er diese im Gegenzug je nach Lust und Laune dominieren und auf die Knie zwingen kann, siehe „Topping of the Bottom“.
Ebenso wenig können  sich viele Frauen nur schwerlich auf Knopfdruck von der dienenden, hingebungsvollen Sub in die beherrschende Lady verwandeln. Dieser Spagat ist kaum zu schaffen, zumindest kenne ich nur ganz wenige Paare, die den dazu nötigen Zugang geschafft haben.

Es liegt mir fern in irgendeiner Weise mit meinen Zeilen eine Wertung oder Ablehnung des Switchertums  kundzutun. Wenn diese Spielart von beiden zu hundert Prozent getragen wird und die SM Beziehung durch eine weitere Facette bereichert wird ist das wunderbar und erfüllend für das SM Paar. Aber eben nur dann.

 

Mit dominantem Gruß
Lady Desire