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Die FemDom als liebende Frau

“Nur in der Arbeit an der Beziehung und an den sexuellen Möglichkeiten liegt die Chance der Entwicklung und Grenzerweiterung.  Das Ideal ist wohl erreicht, wenn man einander “schamlos” begegnen kann, seine Wünsche kommuniziert und so gut als möglich auslebt und dabei die immer vorhandene Begrenzung respektiert.“ Hans Joachim Maaz

Das Spiel mit Macht und Hingabe, Schmerz und Lust verlangt Beziehungskultur, vor allem wenn die Spielpartner auch in einer liebevollen Alltagsbeziehung verhaftet sind. Meine Erfahrung als Workshopleiterin zeigt mir, dass der Impuls zum BDSM Spiel und das vermeintliche Wissen um den perfekten Auftritt einer Domina meist vom masochistischen Manne ausgeht. Dies ist auch völlig verständlich und gerechtfertigt, da der Drang zu Schmerzlust, Demütigung und dem „Loslassen dürfen“ nachvollziehbar ist, wenn man sich mit der Thematik „Masochismus“ ernsthaft und intensiv auseinandersetzt.

 

Nur leider fehlt es vielen Männern an der Bereitschaft die Hintergründe ihrer insgeheimen Wünsche auch zu verstehen. Informationen zum Thema werden zwar im Internet und diversen Foren gesucht - gefunden wird aber meist nur die Anforderungsliste an die dominante Frau – und diese ist unendlich lang, vielfältig und teilweise komplett realitätsfremd. Es geht aber nicht nur darum zu wissen was der dominante Part alles zu erfüllen hat, sondern auch und vor allem darum Selbstreflexion zu betreiben. Es ist leicht sich hinter dem Bildschirm zu verstecken und sich im Baukastensystem die perfekte Wunschdomina zusammenzustellen. Es verlangt aber Mut und Vertrauen sich dem dominanten Gegenüber zu öffnen und ebenfalls die Verantwortung für den eigenen Part zu übernehmen.

So kommt es oft durch überzogene, fiktive Vorstellungen aus Filmen und Internet zu einer Überforderung der liebenden Frau. Jede Frau ist in ihrem Universum etwas Besonderes, Einzigartiges und daher ist jeder Frau in ihrem Wirken als FemDom etwas Besonderes, Einzigartiges. Liebende Frauen schützen durch Vernunft und dem instinktiven Setzen von Grenzen nicht nur den fordernden Mann, sondern auch die Paarbeziehung. Eine FemDom ist nicht gleichzusetzen mit einer professionellen Domina. Diese lässt sich aufgrund eines distanzierten Zuganges zum Kunden leichter auf gewisse Phantasien und Spielarten ein, wobei sie aber ebenfalls darüber entscheidet, welche Kundenwünsche sie erfüllt und welche für sie tabu sind. Das Spiel mit den dunklen Leidenschaften ist kein einseitiges Wunschkonzert und verlangt Ebenbürtigkeit und Begegnen auf Augenhöhe. Nur so kann die dominante Frau im Vertrauen auf die ehrliche Hingabe des Mannes agieren, ohne das Gefühl der Unsicherheit etwas „falsch“ zu machen. Viele Männer verstehen nicht, warum es Frauen oft schwer fällt Dominanz, vor allem in der Sexualität, auszuüben. Dies hat vielerlei Gründe. Einer davon ist, dass in unserem nach wie vor klerikial/patriarchalischem Sozialsystem Jungen im Gegensatz zu Mädchen von klein auf im Haifischbecken der Dominanz erzogen werden. Sie lernen sich zu wehren und ihre Wünsche durchzusetzen und werden genötigt ihre femininen Qualitäten zu unterdrücken. Dies geht wiederum auf Kosten von Intimität und Nähe. Auch wenn der erwachsene „Junge“ seine Sehnsucht nach Schwäche und Loslassen im Masochismus sucht, versucht er dennoch die Frau durch verschiedenste Verhaltensmuster nach seinen Wünschen zu dirigieren. Sei es durch Schmeicheln, Trotzen, Betteln oder Verweigern - eines davon berührt die Frau. Dieses Dominieren von unten nach oben verdreht das Machtgefälle und macht die FemDom unsicher in ihrem Tun.

Die vielen Gespräche mit dominanten Frauen sowie devoten Männern zeigen mir, dass es oft von beiden Seiten an vertrauensvoller Nähe fehlt. Ebenso wie der Fähigkeit sich dem anderen mit all seinen menschlichen Schwächen zuzumuten, um sich gemeinsam weiterentwickeln zu können. Ohne intensive, ehrliche und schonungslose Arbeit an sich selbst und in Folge an der gemeinsamen Beziehung, verfällt der Wunsch nach einem erfüllenden Leben als SM-Paar zur seelenlosen, mechanischen, zerstörerischen Praxis ohne Tiefe und Achtsamkeit. Die Eigenständigkeit als Mensch, das Recht auf die eigene Meinung, das Setzen von persönlichen Grenzen und die Einhaltung von Tabus müssen ohne Wenn und Aber akzeptiert werden. Die Angst vor Stillstand und fehlender Weiterentwicklung hindert aber viele masochistische Männer daran, diese Dinge zu akzeptieren. Grenzen zu setzen bedeutet nicht Stillstand, sondern ist gesund und wichtig, um sich selbst nicht zu überfordern, egal auf welcher Seite des Machtgefälles man steht. Wird trotz Absprachen vom devoten Part permanent Druck ausgeübt kommt es zu einer Kraftlosigkeit der dominanten Frau, welche ihr die Freude am Spiel nimmt. Dieser Prozess ist zwar schleichend, schreitet aber immer schneller voran, je mehr Forderungen gestellt werden, für die sie noch nicht bereit ist.

Ich kann SM-Paaren, welche in dieser Problematik verhaftet sind, nur raten sich gemeinsam mit den Themen Masochismus und Sadismus zu beschäftigen um zu verstehen, welche Konditionierungen, Traumaten und Programme im Hintergrund der Beteiligten ablaufen.

Wissen ist Macht und man soll tun was man liebt und lieben was man tut.

 

Mit dominantem Gruß
Lady Desire